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Französische Gärten zwischen Eleganz und wilder Schönheit

  • Autorenbild: Arlette Pinggera
    Arlette Pinggera
  • vor 33 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

Wenn man an französische Gärten denkt, sieht man oft das perfekte Bild. Symmetrische Wege, akkurat geschnittene Buchsbaumhecken, formvollendete Beete, wie in Versailles oder Villandry. Doch Frankreichs Gartenkultur ist viel mehr als reine Geometrie. Sie ist ein Spiel zwischen Form und Freiheit, zwischen Kunst und Natur.


Aber was macht ihn denn aus, den französischen Garten?

Traditionell wird in der Gartenarchitektur zwischen dem Jardin à la francaise und dem Jardin anglais unterschieden.

Der eine zeichnet sich aus durch Symmetrie und Klarheit, durch formale Beete, Springbrunnen, Skulpturen.

Und der andere ist lockerer, natürlicher, hat sanftere Linien, Bäume und Sträucher in malerischen Arrangements.

In vielen Regionen, auch in der Haute-Saône, findet man heute oft Mischformen, die das Beste aus beiden Welten vereinen.


Wir haben eine Weile gebraucht, um es zu merken, doch eine gute Planung ist der Schlüssel zum Genuss.

Ein Garten, egal wie schön, bringt wenig Freude, wenn er nur Arbeit macht. Darum ist schon bei der Planung wichtig, das man Pflanzen wählt, die im Klima der Region gut gedeihen.

Wir pflanzen ausschliesslich mehrjährige Pflanzen, oder einjährige die sich selber absamen. Und wir pflanzen eher zu dicht, so dass Unkraut eigentlich gar nicht gross wachsen kann. Wird alles zu dicht, wird etwas ausgedünnt.

Wer für saisonale Abwechslung sorgt, hat vom Frühling bis zum Herbst immer etwas zu sehen und damit die Romantik nicht zu kurz kommt, planen wir Sitzplätze im Schatten, Bänke an geschützten Ecken, vielleicht ein kleiner Pavillon.

Und wenn eine Ecke zu wild wird, helfen Wege, Beeteinfassungen und Blickpunkte, Ordnung zu schaffen und damit meine ich nicht wirklich Ordnung, sondern viel eher Ruhe.


Hier, in der Haute-Saône, überrascht uns jedes Jahr wieder die Fülle an Wildblumen entlang der Wegränder. Im Spätfrühling ein Meer aus roten Mohnblüten, im Hochsommer die zarten weissen Dolden der Wilden Möhre, das Rosa der Malve und das leuchtende Blau der Wegwarte. Sie sind nicht nur schön, sie sind Teil des natürlichen Rhythmus dieser Landschaft.

Warum also nicht diese heimischen Pflanzen bewusst in einen Garten integrieren? Sie bringen Farbe, Struktur und oft auch Nahrung für Insekten und verbinden den gestalteten Garten mit der Natur der Umgebung. Typisch französisch und trotzdem natürlich.

So kann man klassische Elemente mit wilder Schönheit kombinieren. Ein zentraler Weg, Beete oder Randbereiche, in denen heimische Wildpflanzen wachsen dürfen. Mohn, Malve und Wegwarte lassen sich wunderbar mit Stauden und Rosen kombinieren.


Damals, als diese Zeilen entstanden, lebten wir noch im Haus nebenan. Der Garten war da eher ein Versprechen als ein Projekt. Unsere Tage waren gefüllt mit Baustellen im Haus, mit Staub, Werkzeugen und provisorischen Lösungen. Der Garten musste warten und wucherte weiter.

Heute ist alles anders. Wir sind umgezogen, nur eine Kurven weiter und plötzlich liegt vor uns ein Gelände, das schon eine Geschichte hat. Vor etwa zehn Jahren wurde hier viel gepflanzt. Bäume, Sträucher, Inseln aus Grün, eine kleine Wildniss am Weiher, dichte Ränder entlang der Strasse. Vieles davon ist schön. Manches ist zu nah, zu eng, zu gut gemeint.


Und genau hier begann etwas Neues, nämlich mein gemeinsames Garten-Brainstorming, mit freundlicher Unterstützung von ChatGPT.


Was als vage Frage nach einer Baumallee begann, wurde zu einer langen, überraschend poetischen Reise durch Tore aus Stein, schwebende Gaura-Blüten, eine Allee aus Feldahorn, eine Trauerweide als stilles Herz des Vorplatzes, Rosen im Halbschatten, die sich an alten Zäunen festhalten, und ein Gemüsegarten, der nicht geschniegelt sein will, sondern lebendig.

Es ging nie darum, alles neu zu machen. Im Gegenteil. Zu fragen, was bleiben darf. Wo Luft fehlt. Wo Ordnung nicht Ordnung meint, sondern Ruhe. Wo Wiederholungen nicht langweilen, sondern Identität schaffen, wie beim Feldahorn, der bei uns nun in verschiedenen Rollen auftreten darf, als Allee, als Hecke, als leiser Rahmen.


Wir haben über Sichtbarkeit und Verstecken gesprochen. Darüber, dass ein Haus nicht immer gesehen werden muss, aber dort, wo Menschen zu uns kommen, einladend wirken darf. Über Übergänge zwischen öffentlich und privat. Über Schattenplätze, an denen man im Sommer sitzen kann, während irgendwo Frösche im Weiher quaken und die Hunde im Gras liegen.

Und wir haben auch darüber gelacht, wie schnell man sich in Pflanzlisten verlieren kann. Wie verführerisch es ist, immer noch „diesen einen Baum“ dazuzunehmen. Und wie gut es tut, sich immer wieder daran zu erinnern, ein Garten ist kein Projekt mit Deadline. Er ist ein Dialog.

Vielleicht ist das die grösste Erkenntnis aus dieser gemeinsamen Planung. Ein guter Garten entsteht nicht aus Kontrolle, sondern aus Beziehung. Aus dem Mut, Dinge wegzunehmen. Aus dem Vertrauen, dass Lücken genauso wichtig sind wie Fülle. Und aus der Bereitschaft, sich von einem Ort verändern zu lassen, während man ihn gestaltet.

So wächst unser Garten nun hoffentlich langsam in unsere Richtung und wir in seine.


À bientôt





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