Ort im Werden - Eine kleine Insel im Alltag
- Arlette Pinggera

- 16. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Es gibt Orte, die entstehen nicht aus einem klaren Plan, sondern aus einem Gefühl. Man weiss nicht genau, wie sie aussehen werden, aber man spürt sehr deutlich, wie sie sich anfühlen sollen.
In unserem Nebengebäude beginnt gerade eine Verwandlung. Noch ist nicht sichtbar, was daraus wird. Es gibt keine Etiketten, keine fertigen Bilder, keine klaren Versprechen. Nur diese leise Ahnung, dass ein Raum entstehen darf, der mehr ist als ein Raum.
Wenn Menschen Räume planen, entstehen oft zuerst detaillierte Zeichnungen. Pläne, die bis ins Kleinste durchdacht sind, bevor überhaupt etwas berührt, verschoben oder geöffnet wird. Bei uns ist das anders.
Wir beginnen mit Ideen, mit Ahnungen. Mit Bildern im Kopf, die sich verändern dürfen, sobald die Hände zu arbeiten beginnen. Wir zeichnen selten Pläne und wenn doch, verlieren wir sie meist aus den Augen, kaum dass wir angefangen haben.
Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil das Tun selbst uns zeigt, was stimmig ist. Wir erlauben uns, unterwegs umzudenken. Zu verwerfen. Neu anzusetzen. Zuzuhören, was der Raum erzählt.
Seit Jahren sammeln wir alte Baumaterialien. Nicht nach System, eher nach Gefühl. Eine Türe hier, ein Fenster dort, ein Brett mit einem schönen Schwung, ein Stück Holz mit einer Schnitzerei, ein Eisenteil, das schon vieles getragen hat. Alles, was für die Ewigkeit gedacht war, zieht uns an. Holz. Eisen. Dinge mit Geschichte.
Wenn wir einen Raum gestalten, öffnen wir diesen Fundus. Vieles, was später Teil des Raumes wird, war schon da, lange bevor der Raum selbst eine Idee war. Neu kommt nur das Allernötigste hinzu. Recycling und Upcycling sind für uns kein Konzept, sondern eine Selbstverständlichkeit. Vielleicht sogar eine Form von Respekt gegenüber dem, was bereits existiert.
So entstehen unsere Räume im Tun. Sie überraschen uns selbst. Oft fühlen sie sich schon mitten im Staub, im Chaos, im Unfertigen wohlig an. Nicht selten verlagern wir dann unseren gelegentlichen Aperos kurzerhand in genau diesen halbfertigen Raum, zwischen Werkzeug, Holzspänen und offenen Fragen. Weil sich etwas stimmig anfühlt, lange bevor es fertig ist.
Wenn wir zurückblicken auf all die Räume und Orte, die wir in den letzten Jahren für unsere Gäste gestaltet haben, begegnet uns immer wieder die selbe Rückmeldung. Dass man bei uns zur Ruhe kommt. Dass der Lärm des Alltags leiser wird. Dass man durchatmet, oft schon nach den ersten Minuten.
Wie wir das genau hinbekommen, wissen wir selbst nicht. Es ist kein Rezept, das sich weitergeben lässt. Eher eine Haltung. Eine Art, Räume entstehen zu lassen, nicht effizient, nicht laut, sondern mit Aufmerksamkeit. Mit Zeit. Mit dem Mut, nicht alles vorher wissen zu müssen.
Genau dieses Gefühl soll auch in dem neuen Ort spürbar werden, der gerade wächst. Wir denken dabei an eine kleine Insel. Eine Insel mitten im Alltag, die man betreten kann, ohne verreisen zu müssen. Ein Ort, an dem man für einen Moment nichts muss. Wo man ankommt, ohne Ziel. Wo man bleibt, ohne Eile. Und vielleicht irgendwann wiederkommt, weil sich dieser Ort vertraut anfühlt.
Langsam wird sichtbar, was hier entstehen wird. Es geht nicht um das, was man mitnimmt. Es geht um das, was man für einen Moment dalässt, den Druck, die Geschwindigkeit, das Müssen.
Alles Weitere darf sich zeigen, wenn es soweit ist.
À bientôt




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