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Das süsse Leben - Ein Tag beim Schnapsbrennen

  • Autorenbild: Arlette Pinggera
    Arlette Pinggera
  • 16. März
  • 2 Min. Lesezeit

Gestern waren wir in Laneuvelle in der Haute-Marne zum Schnapsbrennen eingeladen.

Bereits zum dritten Mal durften wir Teil dieses besonderen Anlasses sein und noch immer stehen wir mit der gleichen Mischung aus Neugier, Staunen und ein bisschen kindlicher Vorfreude in der kleinen Brennerei.


Unsere Freunde hatten dieses Mal Maische aus Quitten angesetzt. Über Monate hinweg wurde gerührt, gewartet, beobachtet und wieder gerührt. Geduld gehört beim Schnapsbrennen offenbar genauso dazu wie die richtigen Früchte. Erst wenn alles passt, darf die Maische ihren Weg in den Brennofen antreten und am Ende hoffentlich in Form eines guten Destillats wieder herauskommen.


Der Brenner von Laneuvelle heisst Yves. Ein wunderbar sympathischer älterer Herr, der alles mit ruhiger Selbstverständlichkeit erklärt und gleichzeitig mit einem verschmitzten Lächeln durch den ganzen Anlass führt.


Den Brennofen hat er übrigens selbst gebaut. Formen, Metalle, Konstruktionen waren viele Jahre sein Metier, denn er hat früher für Peugeot gearbeitet. Wer ihm zusieht, merkt schnell: Hier weiss jemand sehr genau, was er tut.

Für ein wirklich gutes Destillat braucht es zwei Brenndurchgänge. Der erste ist eher ein Versprechen, der zweite die eigentliche Kunst. Und es gibt einen Moment, auf den alle warten.


Ganz am Ende des zweiten Durchgangs beginnt es zu tropfen. Zuerst rinnt das Methanol in ein vorbereitetes kleines Glas.

Man erkennt es sofort: Die Flüssigkeit ist trüb, fast leicht grünlich. Untrinkbar und giftig. Erst wenn dieser Teil vorbei ist, beginnt das klare Ethanol zu fliessen.

Das Methanol wird natürlich nicht getrunken. Yves sagt trocken, man könne es höchstens verwenden, um die Schwiegermutter ins Jenseits zu befördern. Ein Satz, der zuverlässig für Gelächter sorgt.

Weggeschüttet wird es trotzdem nicht. Stattdessen wird daraus eine kleine Show. Yves leert das Glas über den heissen, kugelförmigen Deckel seiner Destillieranlage und zündet die Flüssigkeit an. Für einen kurzen Moment tanzen blaue Flammen über dem Metal und rundherum sieht man funkelnde Augen.


Wenn die Arbeit getan ist, kommt der Teil, der mindestens genauso wichtig ist wie das Brennen selbst. Das gemeinsame Essen.

Unsere Freundin hatte Sauerkraut gekocht. Dazu Kartoffeln, Speck und Würste von der Wildsau, die zuvor in der Maische mitgekocht worden waren. Eine kräftige Mahlzeit, genau richtig für einen langen Wintertag. Auf dem Tisch steht Ratafia und Wein, Gläser werden gefüllt, Geschichten erzählt.

Und als krönender Abschluss gibt es noch einen Mont d`Or, den letzten der Saison, mit einer knusprigen Baguette.

Herrlich.


Es sind genau solche Tage, die uns immer wieder zeigen, wie reich dieses einfache Leben hier auf dem Land sein kann. Mit Zeit, Geduld, guten Zutaten und Menschen, die ihr Handwerk verstehen.

Vielleicht ist das am Ende das wahre süsse Leben.


À bientôt




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